Pfahlschuh aus der spätbronzezeitlichen Station der Grande-Cité © Université de Genève

CH-VD-12

 Morges,  |   Stations de Morges

Kurzbeschreibung
Diese Gruppe umfasst zwei unterschiedliche, aber sehr nahe beieinander liegende Seeufersiedlungen, die in der späten Jungsteinzeit und der späten Bronzezeit besiedelt waren. Das ältere Dorf (Vers l'Eglise) wurde zunächst während der Lüscherz-Kultur gegründet und dann in der späten Bronzezeit wiederbesiedelt. Es verfügt über eine archäologische Schicht, die sehr reich an Funden ist und Fragmente von zwei grossen Keramikkrügen mit Schnurverzierung zutage gebracht hat. Diese Töpferwaren weisen charakteristische Verzierungen auf, die mit Funden aus dem französischen Rhônetal oder dem französischen Jura vergleichbar sind. Die bedeutendere Siedlung (La Grande-Cité) stammt ausschliesslich aus der späten Bronzezeit. Neben Fragmenten archäologischer Schichten sind an dieser Fundstelle auch Überreste architektonischer Strukturen (Pfähle, Pfahlfundamente, Fussböden usw.) erhalten. An dieser Stelle unternahm der Archäologe und Geologe Adolf von Morlot 1854 mit einem rudimentären Taucherhelm die erste archäologische Unterwassererkundung.

Besonderheiten & Highlights
Etwas weiter vor der Station Grande-Cité befand sich ein prähistorischer Einbaum aus Eichenholz. Im Jahr 1823 holten junge Leute die Hälfte davon an Land, die jedoch zerbrach und auf dem Kai austrocknete. Im Jahr 1877 bargen zwei „Genfer Piraten” (laut F.-A. Forel) die andere Hälfte und verkauften sie an das Genfer Museum. Es folgte ein Gerichtsverfahren, offenbar ohne Folgen, denn diese Hälfte des Bootes ist derzeit in der Abteilung für  Archäologie des Musée d'art et d'histoire de Genève ausgestellt. Die dendrochronologische Datierung bestätigt, dass es aus der späten Bronzezeit stammt, mit einem Datum nach 1105 v. Chr.

Pfahlbauten hautnah
Die archäologischen Funde, die an den Ufern des Genfer Sees im Kanton Waadt gesammelt wurden, sind im Kantonalen Museum für Archäologie und Geschichte in Lausanne ausgestellt.

Musée cantonal d'archéologie et d'histoire
Palais de Rumine
Place de la Riponne 6
1005 Lausanne
+41 21 316 34 30
zur Webseite

Jungsteinzeit / Bronzezeit

Ausgehendes Neolithikum und Späte Bronzezeit

Genfersee

368 m.ü.N.N.

Größe Fundstelle:

2,23 ha / ca. 3 Fussballfelder

Größe Pufferzone:

7,64 / ca. 11 Fussballfelder

Aquarellzeichnung von Adolf von Morlot. Sie zeigt den ersten archäologischen Tauchgang auf der Uferstation von Morges la Grande Cité am 24. August 1854 © Musée historique de Berne